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Ex-Charter-Katamaran kaufen: Chancen, Risiken, Belege

Redaktion · Aktualisiert 2026-10-14 · 6 Min. Lesezeit

Ein Ex-Charter-Katamaran ist oft der günstigste Weg zu einem jungen, voll ausgestatteten Boot, hat aber meist viele Betriebsstunden hinter sich. Ob er ein guter Kauf ist, entscheiden lückenlose Wartungsnachweise, ein unabhängiges Gutachten und ein belegter Mehrwertsteuerstatus, nicht der Name der Charterfirma.

Wie Boote auf den Gebrauchtmarkt kommen

Viele Ex-Charter-Boote stammen aus Eigner-Programmen. Der Eigner übergibt das Boot einem Flottenbetreiber und erhält dafür Einnahmen, am Ende der Laufzeit kommt es häufig auf den Gebrauchtmarkt. Der Ratgeber Charteryacht kaufen beschreibt die Modelle am Beispiel zweier Betreiber:

Programm Laufzeit Eckdaten laut Ratgeber
The Moorings, Garantieprogramm meist 5–6 Saisons fester Monatsbetrag, genannt 8 % des Kaufpreises; Eigner dürfen bis zu 12 Wochen im Jahr segeln
The Moorings, Kaufoption (in einigen Regionen) n. a. 45 % des Listenpreises vorab, keine laufenden Einnahmen
Dream Yacht, Performance-Programm bis 6–7 Jahre Einnahmen nach Auslastung; Boot mindestens 10 Wochen im Jahr verfügbar

Am Ende können Eigner das Boot behalten, verkaufen oder in Zahlung geben. Die Moorings-Vermittlung berechnet laut Ratgeber eine Standardprovision von 10 Prozent, Dream Yacht rät, 6 bis 12 Monate vor Ende Bescheid zu geben. Vor der Übergabe laufen die Boote durch eine Phase-out-Wartung. Ersetzte und nur gereinigte Teile sollten schriftlich festgehalten sein. Für Käufer heißt das: Fragen Sie nach genau diesem Protokoll.

Hinweis: Das sind Beschreibungen aus einem Ratgeber und keine Vertragsbedingungen. Programme ändern sich, prüfen Sie die aktuellen Bedingungen beim Betreiber.

Vorteile und Nachteile im Vergleich

Dafür spricht:

  • junges Baujahr mit aktuellem Bautand
  • meist vollständige Ausstattung mit Beiboot, Bimini, Elektronik und Sicherheitsausrüstung
  • professionelle Wartung mit Plänen und Protokollen der Basis
  • bekannte Modelle, oft aus dem Urlaub vertraut
  • viele Boote gleicher Baureihe auf dem Markt, das erweitert die Auswahl und kann Preise drücken

Dagegen spricht:

  • hohe Beanspruchung: Yachting Monthly beschreibt den Verschleiß als ein Vielfaches gegenüber privater Nutzung
  • Layout und Stauraum sind auf Charter ausgelegt, nicht unbedingt auf Ihre Nutzung
  • Flottenausstattung ist auf Haltbarkeit und Preis ausgelegt, nicht auf Leistung, kritisiert wird etwa das Segeltuch
  • Standort oft Mittelmeer oder Karibik, Transport, Zoll und Steuern kommen dazu

Kernaussage: Ein Ex-Charter-Boot ist weder automatisch ein Schnäppchen noch automatisch ein Risiko. Gute Boote erkennen Sie an dokumentierter Wartung, einem ehrlichen Phase-out und einer klaren Steuerlage.

Die typischen Verschleißpunkte

Die YACHT-Leserumfrage mit rund 700 Teilnehmern, die der Ratgeber zitiert, nennt diese Reihenfolge:

  1. Toiletten und Fäkalientanks: Pumpen, Ventile, Geruch und Schläuche prüfen, der Austausch aller Schläuche ist ratsam.
  2. Segel: In windreichen Revieren sehen Segel oft schon in der zweiten Saison abgenutzt aus. Nach fünf oder mehr Jahren sollten Sie neue einplanen, wenn nichts erneuert wurde.
  3. Luken und Fenster: Undichtigkeiten zeigen sich oft erst hinter den Verkleidungen als Wasserflecken, gequollenes Holz oder Schimmel.
  4. Batterien: häufig tief entladen. Fragen Sie nach dem Alter und lassen Sie die Kapazität testen.
  5. Übrige Punkte: Kiel, Ruder und Bolzen (Grundberührungen sind nicht immer gemeldet), Motor und Saildrive, Rumpf und Gelcoat, Winschen und Blöcke, Polster und Bodenbretter.

Bei Katamaranen kommen die beiden Rümpfe, die Unterseite des Brückendecks und beide Antriebe hinzu. Unsere Checkliste für den Gebrauchtkauf führt diese Punkte im Zusammenhang.

Welche Belege Sie verlangen sollten

Fordern Sie vor der Besichtigung folgende Unterlagen an:

  • Wartungsprotokolle der Basis: Motorservice, Rig-Checks, Kranungen, Antifouling.
  • Schadens- und Reparaturberichte. Laut Moorings laufen Gästeschäden über Versicherung und Kaution, deshalb sollten Aufzeichnungen existieren.
  • Datierte Liste ersetzter Teile (Segel, Batterien, Polster, Elektronik, Persenninge) mit Rechnungen.
  • Charterrevier und Basis: Windreiche Gebiete und tropische UV-Belastung wirken sich unterschiedlich aus.
  • Gecharterte Wochen pro Saison, die Abrechnungen der Gewinnbeteiligung zeigen können.
  • Eignerdokumente: Kaufrechnung, Konformitätserklärung, Handbuch.

Unvollständige Unterlagen sind laut Ratgeber kein automatisches Ausschlusskriterium, gehören aber in die Preisverhandlung. Der Ratgeber erwähnt zudem Insolvenzen von Charterbetreibern (Ecker Yachting, 2014) als Beispiel dafür, dass Wartungsbelege fehlen können, wenn ein Betreiber ausfällt.

Das Gutachten: Pflicht, auch wenn die Basis perfekt wirkt

Yachting Monthly rät, ein Ex-Charter-Boot nie ohne gründliche, detaillierte Untersuchung zu kaufen. Der Gutachter sollte das Boot an Land und im Wasser prüfen, einschließlich Probefahrt unter Motor und Segeln, und gezielt nach Grundberührungen, Kollisionsreparaturen und Laminatfeuchte suchen. Wie Sie einen geeigneten Sachverständigen finden und mit welchen Kosten Sie rechnen, steht in Bootsgutachter beim Katamaran.

Mehrwertsteuer und Zoll

Der Steuerstatus ist bei Charterbooten oft heikel. Der Ratgeber unterscheidet:

  • EU-Boote, dauerhaft in der EU genutzt: Die Mehrwertsteuer muss mindestens einmal in einem EU-Staat gezahlt worden sein. Nachweis ist meist eine Händlerrechnung mit Mehrwertsteuer oder eine Bescheinigung von Hersteller oder Lieferant.
  • Boote außerhalb der EU (etwa auf den Britischen Jungferninseln): Laut ADAC fallen bei der Einfuhr nach Deutschland 1,7 Prozent Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer an, je nach Typ und Größe.
  • Wurde das Boot über eine Firma gekauft und verchartert, klären Sie die umsatzsteuerliche Behandlung mit Verkäufer und Steuerberater.

Mehr dazu und zu den Grenzen dieser Angaben in Mehrwertsteuer und Import beim Katamaran. Die Regeln können sich ändern und werden in den Mitgliedstaaten unterschiedlich gehandhabt, deshalb prüfen Sie den Einzelfall mit einer Fachperson.

Preis und Entscheidung

Beim Lagoon 42 liegt der Abstand zwischen Charter- und Eignerversion nach dem Ratgeber Was kostet ein Katamaran bei etwa 60.000 bis 90.000 Euro. Wie Sie die beiden Varianten bewerten, steht im Beitrag Lagoon 42: Charter oder Eignerversion. Rechnen Sie bei Ex-Charter-Booten Segel, Batterien und Transport gleich ein und prüfen Sie die Gesamtkosten statt des Kaufpreises.

Aktuelle Inserate, auch von Booten mit früherer Charternutzung, finden Sie unter Katamarane auf Yachtkaufen.com. Fragen Sie jeden Verkäufer, ob das Boot kommerziell verchartert war, das gilt laut Ratgeber auch für Motoryachten.

Verhandeln mit Belegen statt mit Bauchgefühl

Ex-Charter-Boote werden häufig in Serie verkauft: Wenn ein Programm endet, kommen mehrere Boote derselben Baureihe fast gleichzeitig auf den Markt. Das gibt Ihnen eine Vergleichsbasis. Sehen Sie sich zwei oder drei Boote an, auch wenn eines Ihnen schon gefällt, und notieren Sie für jedes dieselben Punkte: Betriebsstunden pro Motor, Alter von Segeln und Batterien, Zustand der Toiletten, Umfang der Wartungsprotokolle. Aus der Streuung lässt sich ableiten, was ein Boot im Vergleich wert ist.

Nutzen Sie dabei das Gutachten als Verhandlungsgrundlage. Jeder dokumentierte Mangel lässt sich in einen Betrag übersetzen, indem Sie ein Angebot für die Reparatur einholen. Der Ratgeber nennt zu Verhandlungsabschlägen keine Prozentwerte, und wir erfinden keine. Belegbar sind nur konkrete Posten: neue Segel nach fünf oder mehr Saisons, Austausch aller Toilettenschläuche, Batterien mit geringer Restkapazität, fehlende Wartungsnachweise. Fehlen Belege, sollten Sie den Ausfall als Risiko einpreisen oder vom Kauf Abstand nehmen.

Ein Beispiel für die Kalkulation

Angenommen, Sie vergleichen zwei Lagoon 42 aus 2019, einen als Charterversion für 360.000 Euro und einen als Eignerversion für 430.000 Euro, beides illustrative Werte innerhalb der im Ratgeber genannten Spannen von 320.000 bis 400.000 und 380.000 bis 470.000 Euro. Der Abstand von 70.000 Euro liegt im Bereich der 60.000 bis 90.000 Euro, die der Ratgeber nennt. Wenn das Charterboot neue Segel braucht und die Batterien ersetzt werden müssen, schrumpft dieser Vorsprung. Wie hoch diese Posten sind, müssen Sie selbst per Angebot klären, die Quelle nennt dafür keine Zahlen. Ziehen Sie außerdem Transport und eventuelle Steuern ab, wenn das Boot nicht in Ihrem Revier liegt.

Checkliste für die Besichtigung

  • Liegt ein vollständiges Wartungsprotokoll der Basis vor, mit Datum und Stunden?
  • Gibt es eine schriftliche Phase-out-Liste mit ersetzten und gereinigten Teilen?
  • Wann wurden Toilettenschläuche, Batterien, Segel und Polster zuletzt getauscht?
  • Wie viele Wochen pro Saison war das Boot verchartert, und wo?
  • Gab es Grundberührungen oder Kollisionen, und existieren Schadensberichte?
  • Sind Kaufrechnung, Konformitätserklärung und Handbuch vorhanden?
  • Ist der EU-Mehrwertsteuerstatus belegt, oder müsste importiert werden?

Wer diese sieben Fragen beantwortet bekommt, kann ein Ex-Charter-Boot sehr viel besser einschätzen als anhand von Fotos und Inseratstext. Die vollständige Sammlung der Prüfpunkte am Boot selbst steht in der Checkliste für den Gebrauchtkauf.

Häufige Fragen

Ist ein Ex-Charter-Katamaran eine gute Wahl?

Er ist oft der günstigste Einstieg und meist voll ausgestattet. Entscheidend sind dokumentierte Wartung, ein ehrlicher Phase-out und ein klarer Steuerstatus. Ohne Belege sinkt der Wert der Chance.

Welche Unterlagen sollte ich verlangen?

Wartungsprotokolle der Basis, Schadens- und Reparaturberichte, eine datierte Liste ersetzter Teile mit Rechnungen sowie Kaufrechnung, Konformitätserklärung und Handbuch.

Woran verschleißen Charterboote am schnellsten?

Laut YACHT-Leserumfrage (rund 700 Teilnehmer) zuerst Toiletten und Fäkalientanks, danach Segel, Luken und Fenster, Batterien sowie Kiel, Ruder und Beschläge.

Brauche ich bei Ex-Charter-Booten ein Gutachten?

Ja, Yachting Monthly rät dringend dazu. Bei Katamaranen gehören beide Rümpfe, die Unterseite des Brückendecks und beide Antriebe hinein.